Astronomie in Solingen - Etwas Geschichte


Die Sternwarte aus dem All (Quelle: google earth)

Solingen? Stadt im Bergischen Land, etwa 160 000 Einwohner seit Jahrhunderten bekannt für Blankwaffen, Messer und Scheren. Die Klingenstadt eben, denn in Deutschland hat fast jeder irgendwo eine Solinger Klinge im Hause. Aber auch die höchste Eisenbahnbrücke und eine der ältesten Volkssternwarten Deutschlands findet man im ehemaligen Reich der Grafen von Berg.

Rund 700 Jahre nach dem Tode des letzten Grafen von Berg, im Jahre 1918 nämlich, begann ein Solinger Lehrer mit Astronomie-Kursen an der neu gegründeten Volkshochschule. Die Resonanz war damals so gewaltig, daß sich aus den Hörern dieser Kurse im Frühjahr 1921 um den Studienrat Walter Horn ein astronomischer Verein bildete. Horn wurde erster Vorsitzender und man begann mit der Planung und dem Bau einer Sternwarte. Dieses von Anfang an sehr hochgesteckte Ziel konnte der Verein dann bereits 1924 trotz - oder vielleicht gerade wegen - der inzwischen eingetretenen Weltwirtschaftskrise erreichen. Das erforderliche Grundstück konnte der Verein mit einem symbolischen Kaufpreis von der damals noch selbständigen Stadt Ohligs (seit 1929 ein Stadtteil von Solingen) erwerben.

Grundsteuer: 1,08 Billionen Mark

Die durch die Inflations-Zeit wahrlich astronomischen Baukosten - ein Grundsteuerbescheid von 1.18 Billionen Reichsmark wurde dem Verein schließlich wegen Geringfügigkeit (!) und gemeinnütziger Zielsetzung erlassen - wurden damals aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden in Form von Zigarren finanziert: der einzig stabilen "Währung". Trotz aller Widrigkeiten sollte es aber im Oktober 1924 soweit sein: Am 5. Oktober 1924 wurde die Sternwarte feierlich eröffnet und war damit eine der ersten Volkssternwarten Deutschlands.

Leider erwies sich die neue Sternwarte in Solingen-Wald aber schon bald als zu klein und so mußten zum Beispiel Vortragsveranstaltungen jahrzehntelang in der Wohnung des ersten Vorsitzenden abgehalten werden. Außerdem wuchsen die Stadtteile Ohligs und Wald immer weiter zusammen und der Himmel wurde für die Sternwarte zunehmend schlechter. Anfang der sechziger Jahre gab es erste konkrete Pläne für einen Neubau der Sternwarte am Stadtrand Solingens, die dann aber nach dem Tode Walter Horns im Jahre 1967 nicht mehr weiter verfolgt wurden.

Bauplan der Sternwarte Solingen

1988: Erste Neubaupläne

Mehr als 20 Jahre später nahm der mittlerweile in Walter-Horn-Gesellschaft e.V. umbenannte Verein einen zweiten Anlauf, endlich eine neue Sternwarte zu errichten. Erste Überlegungen zeigten nämlich, daß ein vernünftiger, wirtschaftlicher Betrieb als Volkssternwarte zukünftig nur mit einem großen Vortragsraum und moderner Medientechnik möglich sein würde. Ganz abgesehen natürlich von der erforderlichen, aber größtenteils bereits vorhandenen optischen Ausstattung einer Volkssternwarte. Von den möglichen Varianten entschied man sich trotz des schlechteren Himmels schnell für einen Neubau auf dem eigenen Grundstück. Denn dies garantierte eine weiterhin sehr gute Verkehrsanbindung und senkte natürlich auch die Kosten beträchtlich.

1991: Die Baugenehmigung

Leider hatte der Verein an dieser Stelle die Rechnung ohne den Wirt in Form des städtischen Bauamtes gemacht. Der Neubau einer Sternwarte an dieser Stelle sei nicht möglich beschied man eine erste Anfrage und damit schien der Neubau bereits vor jeder konkreteren Planung vom Tisch zu sein. Hier halfen dann allerdings die langjährige, kontinuierliche Arbeit des Vereins und gute Kontakte, so daß schließlich nach vielen Problemen doch eine allseits akzeptable Lösung gefunden werden konnte und am 17. Dezember 1991 die Baugenehmigung erteilt wurde. Etwa 15 Vereinsmitglieder verbrachten in den folgenden zwei Jahren ihre Freizeit fast ausschließlich auf der Baustelle an der Sternstraße. Das Gebäude, für das es übrigens es keine öffentlichen Zuschüsse gab, darf sich daher mit Recht als "100% handmade" bezeichnen.

Walter Horn und Walterhorn

1992: Ein Solinger am Sternhimmel

In die Bauzeit fällt außerdem ein besonderes astronomisches Ereignis: Im März 1992 wurde unser Vereinsgründer Walter Horn von der l AU in Anerkennung seiner astronomischen Verdienste am Himmel verewigt. Der bereits 1937 von K. Reinmuth in Heidelberg entdeckte Planetoid 2749 trägt seither den Namen Walterhorn.
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1993: Die Eröffnung!

Die am 9.12.1993 eröffnet neue Sternwarte, hat incl. späterer An- und Umbauten heute eine Grundfläche von ca. 230 m² und wurde um die Kuppel des alten Gebäudes gewissermaßen herum gebaut. Das eigene Grundstück wurde mit dem Neubau optimal ausgenutzt, weswegen rechte Winkel im Grundriß ziemlich selten sind.

Multimedia-Programme

Aufgaben und Ziele

Die Walter-Horn-Gesellschaft e.V. sieht ihre in der Satzung verankerte Hauptaufgabe in der astronomischen Öffentlichkeitsarbeit und betreibt die Sternwarte mit einem planetariumsähnlichen Veranstaltungsprogramm. Dieses Programm erfordert natürlich eine umfangreiche Technik, so verfügt die Sternwarte im Veranstaltungssaal über eine rechnergesteuerte Multivisionsanlage mit umfangreicher Dia- und Videoprojektion sowie über eine moderne Licht und Sound-Anlage.

Das Programm

Für diese spezielle Technik stehen stets etwa 10-12 verschiedene aktuelle Multimedia Veranstaltungsprogramme zur Verfügung, die alle selbst entwickelt, produziert und ständig erweitert werden. Pro Woche finden zwei bis vier öffentliche Veranstaltungen statt; ergänzt wird dieses wetterunabhängige Programm durch monatlich ein bis zwei Vortragsveranstaltungen namhafter Referenten, Astronomie bzw. Astrofoto-Workshops sowie durch zahllose Sonderprogramme für die verschiedensten Gruppen, für Kinder und für Schulklassen.

Teleskope

Ausstattung und Geräte

Für die Besucher stehen im Anschluss an jede Vorführung in der Sternwarte bei gutem Wetter eine Reihe von größeren Teleskopen zur Beobachtung zur Verfügung: In der noch von Walter Horn selbst entworfenen und gebauten, geradezu kurios anmutenden Holzkuppel der Sternwarte befindet sich ein Celestron 14 EHD mit einer Brennweite von knapp 4m und einer Öffnung von rund 35 cm. Dieses Gerät hat im Jahre 2014 den noch von Anton Kutter Ende der fünfziger Jahre noch selbst berechneten Schiefspiegler abgelöst, der gut 40 Jahre in der Sternwarte eingesetzt wurde. Das C14 befindet sich seit Ende 2016 auf einer modernen GM3000 HPS-Montierung der Fa. 10Micron. Außerdem sind u.a. ein LX200 Teleskop der Fa. Meade (25 cm, f/10) mit Computer-Steuerung sowie ein ein Takahashi-Refraktor sowie zahlreiche kleinere Geräte für verschiedene Einsatzbereiche in Betrieb.

Das Galileum Solingen

Im Spätsommer 2016 haben die Bauarbeiten für das Galileum Solingen begonnen - ein modernes Mittelplanetarium in einem stillgelegten Gasbehälter. Dieses weltweit einmalige Projekt wird ein Highlight für die ganze Region werden. Aktuelle Informationen zum Galileum Solingen finden Sie unter www.galileum.info

Graf Engelbert von Berg

Im Schatten von Schloss Burg

Graf Engelbert von Berg hätte sich jedenfalls vor über 700 Jahren wohl kaum träumen lassen, daß im Schatten von Schloss Burg, des Stammsitzes der Grafen von Berg, eine Sternwarte seinen Untertanen die Astronomie näher bringen würde; wahrscheinlich könnte er sich ohnedies weder unter Astronomie noch unter Sternwarte etwas vorstellen.